Das BDL-Zeitungsarchiv

Das vorliegende Digitalisat (aus den Beständen der Österreichischen Nationalbibliothek) besteht aus den insgesamt 47 Jahrgängen der BDL-Zeitung, die von 1949 bis 1995 unter verschiedenen Namen erschienen ist:

– von 1949 bis 1974 als „Der österreichische Lehrer und Erzieher“

–  von 1975 bis 1984 als „Demokratische Lehrer und Erzieher“

– von 1985 bis 1995 als „PÄZ – Pädagogische Zeitschrift für demokratische Lehrerinnen und Lehrer“

Wer war der BDL?

Vereinfacht gesagt war der BDL – genauer der Verein „Bund demokratischer Lehrer und Erzieher Österreichs“ – eine Vorfeldorganisation der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ). Erste Recherchen  lassen vermuten, dass der BDL „von oben“ gegründet wurde, nämlich noch in der Zeit der provisorischen Regierung Renner (April bis Dezember 1945) vom damaligen für den Unterricht zuständigen Staatssekretär Ernst Fischer (KPÖ) und seinen beiden Unterstaatssekretären Karl Lugmayer (Österreichische Volkspartei – ÖVP) und Josef Enslein (Sozialistische Partei Österreichs – SPÖ).1

Der damit dokumentierte Anspruch auf Überparteilichkeit und demokratische Österreich-Gesinnung spielt im Selbstverständnis des BDL und der BDL-Zeitung durchgehend eine große Rolle.

Was die Mitgliederzahlen betrifft, berichtet Otto Kreilisheim, der langjährige Vorsitzende und spätere Ehrenvorsitzende des BDL, dass der BDL zu Beginn mehr als 600 Mitglieder hatte, darunter „allerdings viele, die sich aus ihrer Mitgliedschaft im BDL persönliche Vorteile erwarteten“.2

Nach meiner Einschätzung , bezogen auf 1970er bis 1990er Jahre, hatte der BDL nie mehr als 50 bis max. 100 Mitglieder. Die Zahl der Aktivist:innen würde ich in dieser Zeit auf max. 20 schätzen. Die Zeitung hatte allerdings eine viel größere Reichweite. Ich erinnere mich, dass allein auf Grund der Portokosten mindestens 300 Exemplare von jeder Nummer verschickt wurden.3

Evident ist, dass die gesamte materielle Basis, z.B. das Vereinslokal in Wien, der Druck der Zeitung, die zeitweise Bezahlung von Sekretär:innen usw. von der KPÖ getragen wurde. Der überparteilich-demokratische Anspruch spiegelt sich auch in der Namensgebung wider: Zu Beginn reflektiert der Name „Der österreichische Lehrer und Erzieher“ die anfängliche Unsicherheit über das sich erst langsam entwickelnde Bewusstsein einer österreichischen Nation in der zweiten Republik. Der BDL verstand sich, ebenso wie die KPÖ, als Vorkämpfer für ein selbstbewusstes demokratisches (und neutrales!) Österreich.

Dieses Ringen um die österreichische Identität dauerte de facto bis in die 1960er Jahre. (Als signifikantes Datum kann auch der Abschluss der langen Kämpfe um die Organisation und die Inhalte des österreichischen Schulwesens durch die Verabschiedung der Schulgesetze im Jahr 1962 gelesen werden.)

Im Namen der BDL-Zeitung zeigt sich dieser Wandel erst ab den 1970er Jahren. Damals kamen jüngere Kräfte (aus der 1968er-Bewegung) in den BDL (zu denen auch der Autor dieser Zeilen gehörte), die dann auch für Neuerungen im Namen, in den Inhalten und im Layout verantwortlich waren. Damals begannen wir auch das strikte Anonymitätsgebot aufzuweichen, das für Autor:innen gegolten hatte, die möglicherweise mit Unannehmlichkeiten am Arbeitsplatz rechnen mussten.

Inhaltliche Schwerpunkte

Inhaltlich lieferte die BDL-Zeitung – die anfangs zehn Mal im Jahr erschienen und an fast allen (?) Schulen aufgelegen ist; später, ab 1966, waren es nur mehr fünf Nummern pro Jahr – eine recht große Bandbreite an Themen:

  • Gewerkschaftsfragen
  • Beiträge zur Bildungspolitik
  • Didaktische Diskussionen und Praxisbeispiele
  • Rezensionen wichtiger Bücher, besonders zu Geschichte, Politik, insbesondere Friedenspolitik und zur Anti-Atomkriegs-Bewegung
  • Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus
  • Berichte aus dem Ausland, insbesondere auch aus den „realsozialistischen“ Ländern

 

Zur Nutzung dieser Website / work in progress

Die Website umfasst für jede Nummer eine eigene pdf-Datei – erstellt aus den Scans, die wir von der Nationalbibliothek erhalten und OCR-mäßig bearbeitet haben – , die nach dem Öffnen entsprechend genutzt werden kann:

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Ein weiterer Schritt könnte sein, dass wir für jede Nummer ein Inhaltsverzeichnis erstellen, womit ein rascher Einblick in die einzelnen Ausgaben aller 47 Jahrgänge möglich sein sollte. Das „BDL-Zeitungsarchiv“ ist ein work in progress…. (Mitarbeiter:innen sind herzlich willkommen!)

Michael Sertl

1)  Hugo Bondy (Bund demokratischer Lehrer) am XVI. Parteitag 1954. Protokoll des 16. Parteitags, S. 116

2)  Otto Kreilisheim: Ich erinnere mich … hg. BDL o.J. (1989)

3)  Erst ab einer Mindestzahl von 300 Exemplaren gewährte damals die öst. Post den sogenannten Zeitungstarif.